DDR-kritische Gruppen in Greifswald

Wir wollen hier darstellen, in welchen Gruppen Kritik an den DDR-Verhältnissen angesprochen wurde. Wir würden uns freuen, wenn Mitglieder dieser Gruppen ihre Erinnerungen aufschreiben, die wir dann hier veröffentlichen. Die folgende Aufzählung der Gruppen ist sicher nicht vollständig.

1. Friedenkreis in der Christuskirche

Der Friedenskreis traf sich in der Christuskirche mehrere Jahre vor 1989. Im Jahr 1989 beobachteten Mitglieder des Friedenskreises die Auszählung der Kommunalwahl und erhoben Einspruch gegen das Ergebnis, siehe Dokumente 1989

2. Gesprächskreise von Pfarrer Dr. Glöckner in der Mariengemeinde

Die Gesprächskreise befassten sich auch mit politischen Themen. Walter Romberg aus Berlin, März bis August 1990 Finanzminister der DDR, referierte z.B. über das Wettrüsten in den 80er Jahren.

3. ESG mit Pfarrer Noack

Arndt Noack gehörte zu den Unterzeichnern des Aufrufs, der zur Gründung der Sozialdemokratischen Partei in der DDR führte. Im Juni 1989 lud er zusammen mit dem Stadtjugendwart der Evangelischen Gemeinden Greifswalds zu kritischen Veranstaltungen zur Domeinweihung. Diese Veranstaltungen mündeten in der Absetzung von Bischof Dr. Gienke.

4. Stadtjugendwart

In den kirchlichen Jugendgruppen in Greifswald waren 1989 13 Informanten für die Stasi tätig.

 

5. Körperbehindertentreff “Teilen macht reich”

Diese Gruppe bildete sich im Dezember 1981 im evangelischen Gemeindehaus in der Bugenhagenstraße. Behinderte Menschen gehörten in der DDR zu den benachteiligten Randgruppen. Es gab in der DDR fast keine Hilfsmittel und nur sehr wenige behindertengerechte Wohnungen. Der DDR-Rollstuhl passt nicht in den Trabant. Löchrige Bürgersteige und hohe Bordsteinkanten verhinderten dazu die Mobilität von Rollstuhlfahrern. Die Gruppe “Teilen macht reich” hatte sich zum Ziel gesetzt, die Lebensverhältnisse behinderter Menschen zu verbessern. Ein Ergebnis war, dass das Theater eine Rampe und eine Behindertentoilette erhielt.

6. Rolliclub

Nachdem die Aktivitäten der kirchlichen Behindertengruppe bekannt wurde, gründete die Stadt einen nichtkirchlichen Rolliclub. Beide Gruppe arbeiteten gut zusammen. Über den Rolliclub wurden Anträge in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht, die zu Verbesserungen für behinderte Menschen führten. Der Kreisarzt Dr. Waack hat sich sehr für die Anliegen des Rolliclubs eingesetzt. Als der Rolliclub im Jahr 1983 zu einem Austausch aller Gruppen von Körperbehinderten in den drei Nordbezirken einlud, wurde dieses Treffen kurzfristig vom Staat verboten.  Dr. Waack wurde auch aufgefordert, den Rolliclub zu schließen. Dieser Aufforderung kam er nicht nach.

7. Physiker an der Universität Greifswald

Wegen des Verbots der sowjetischen Zeitschrift ”Sputnik” kam es zu Auseinandersetzungen mit der Staatssicherheit.

8.  A-Schicht Reaktor 5 im KKW Lubmin

Ein Protestschreiben im Oktober 1988 der A-Schickt an den Staatsrat löst eine heftige Kontroverse mit der SED aus.

9. “Gewaltloser Dialog” in der Johanna-Odebrecht-Stiftung

Die Gruppe aus Mitarbeitern und Bekannten der Mitarbeiter bildete sich im August 1989. Es wurden die Ereignisse in der DDR diskutiert und überlegt, wie Veränderungen zu erreichen sind. Ein Brief an die Greifswalder Landessynode wurde verfasst, siehe Dokumente 1989. Auf Anregung von Mitgliedern der Gruppe kam es zum ersten Friedensgebet im Dom und der anschließenden Demonstration.

 

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